7 agile Prinzipien der Selbstorganisation

7 agile Prinzipien der Selbstorganisation

Agile Prinzipien bestimmen die Qualität der Zusammenarbeit selbstorganisierter Teams. Damit diese gelingt, ist ein grundlegendes Verständnis agiler Prinzipien notwendig. In diesem Blogartikel beschreibe ich die 7 agilen Prinzipien und zeige Dir, wie Du damit umgehen kannst.

Was sind agile Prinzipien?

Bei den agilen Prinzipien denken viele an das agile Manifest. Doch die dort beschriebenen Prinzipien sind bei genauerer Betrachtung eine Mischung zwischen den Aspekten Werten und Haltung, Prinzipien und Methoden. Das kann leicht verwirren. Um von vorn herein eine bessere Orientierung zu bieten, verwende ich gerne folgende Übersicht.

Pyramide der Selbstorganisation

In dieser Abbildung ist jeder Aspekt aus dem agilen Manifest einer Ebene zugeordnet. Die mittlere Ebene beschreibt agile Prinzipien. Sie repräsentieren allgemeingültige Handlungsanweisungen. Sie sind für alle im Team verbindlich und nicht verhandelbar. Die konkrete Umsetzung dieser agilen Prinzipien erfolgt durch Methoden und Praktiken. Diese sind auf der untersten Ebene abgebildet. Sie beschreiben, wie die agilen Prinzipien umgesetzt werden können. 

Das agile Mindset befindet sich auf der obersten Ebene, quasi als Dach für die beiden anderen Aspekte. Es repräsentiert die persönliche Haltung jeden Teammitglieds. Mindset oder Haltung sind in der Alltagspsychologie gut bekannt: Es handelt sich um Sprichwörter. Diese beschreiben eine generelle Einstellung, lassen jedoch die Umsetzung völlig offen. Was damit gemeint ist, wird an folgendem Beispiel schön deutlich. Stell’ Dir vor, Du hättest ein Kollege mit der Einstellung ’Nach mir die Sinnflut’. Du kannst Dir das Chaos sicher gut vorstellen, das aus dieser Haltung resultiert. Ein andere Kollege handelt dagegen aus der Haltung ‘Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen’. Seine Arbeitsweise ist wahrscheinlich ausgesprochen zuverlässig und umsichtig. Wenn jeder im Team eine geeignete Einstellung hat, wird nicht nur das individuelle Arbeitsergebnis besser. Es profitiert auch die Zusammenarbeit im Team. Natürlich reduziert sich das agile Mindset nicht auf Sprichwörter. Idealerweise ist es passgenau auf eine Person, ein Team und den Kontext abgestimmt.

Selbstorganisierte Zusammenarbeit benötigt demnach alle drei Aspekte: Methoden und Praktiken, agile Prinzipien sowie ein agiles Mindset. Sowohl jeder Aspekt für sich als auch deren Zusammenspiel untereinander solltest Du für eine erfolgreiche Selbstorganisation zu beachten. Folgendes Beispiel soll Dir diesen Zusammenhang verdeutlichen:

  • Prinzip: Feedback- und Fehlerkultur
  • Methode: 360 Grad Feedback
  • Mindset: Ehrlich währt am längsten

Eine erfolgreiche Teamarbeit benötigt eine konstruktive Feedback- und Fehlerkultur. Dieses agile Prinzip benötigt eine geeignete Haltung, wie beispielsweise ‘Ehrlich währt am längsten’. Nicht so günstig wäre dagegen eine Haltung ‘Reden ist silber, Schweigen ist gold’.  Wie soll eine Feedback-Kultur gelingen, wenn sich alle im Team anschweigen? Nur die passende Haltung liefert die Motivation für die Umsetzung des agilen Prinzips. In diesem Fall beispielsweise durch die Methode des 360 Grad Feedback. 

Agile Prinzipien – Regeln der Zusammenarbeit

Agile Prinzipien repräsentieren allgemeingültige und nicht verhandelbare Handlungsleitlinien agiler Teamarbeit. Wer diese nicht berücksichtigt, sollte sich fragen, ob er wirklich agil arbeitet. Werden nur agile Methoden und Praktiken umgesetzt, ist die Transformation hin zu einem selbstorganisierten Team in Gefahr.

Um Selbstorganisation in Deinem Team optimal zu gestalten, solltest Du die folgenden agilen Prinzipien in Deinem Team diskutieren und verstehen.

  1. Autonomie und Zielausrichtung
  2. Kommunikation
  3. Kooperation im Team
  4. Offenheit für Veränderung
  5. Feedback- und Fehlerkultur
  6. Umgang mit Diversität
  7. Team-Werte

Autonomie und Zielausrichtung

Bei diesem Prinzip geht es um gemeinsame Ziele eines Teams sowie um Autonomie zur Zielerreichung. Ziele bieten Orientierung und verhindern das Abdriften in Partikularinteressen. Autonomie als menschliches Grundbedürfnis ermöglicht das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Sinnerleben. 

Bei den Zielen stehen das ‘warum’ und das ‘wofür’ im Zentrum. Die Frage nach dem ‘Warum’ ist eher gegenwarts- und vergangenheitsbezogen. Sie beschreibt das Selbstverständnis und den tieferen Sinn eines Teams. Dagegen richtet sich die Frage nach dem ‘Wofür’ auf die zukunftsbezogene Ausrichtung. Langfristige Ziele kannst Du beispielsweise durch eine Produktvision beschreiben. Mit Projekt- oder Sprintzielen deckst Du den kürzeren Zeithorizont ab. Für die Zielformulierung solltest Du Dich am Kundennutzen orientieren und Dich an seinen Bedürfnissen, Probleme und Anforderungen ausrichten. Diese Art der gemeinsamen Zielfindung bedingt Autonomie bei Entscheidungen, Eigenverantwortung und Vertrauen. Jeder im Team sollte sich eingeladen und ermutigt fühlen, seine individuellen Vorstellungen, Meinungen und Interessen einzubringen. 

Kommunikation

Kommunikation als nächstes Prinzip ist Basis für das Verstehen. Dazu ist ein wechselseitige Austausch über individuelle Bewertungen eines Phänomens notwendig. Wenn das gelingt, sind soziale Spielregeln des Miteinanders, nicht-offizielle Hierarchien, persönliche Motive, Vorstellungen und Interessen transparent. Niemand ist auf Spekulationen und eigene Vermutungen angewiesen. 

Jeder hat seine persönliche Sicht auf die Dinge. Dadurch ergeben sich im Team zwangsläufig Unterschiede. Sie führen häufig zu einer entweder-oder Haltung und werden als Gefahr wahrgenommen. In der Folge können daraus Konflikte resultieren. Hilfreicher ist es, wenn Unterschiede bleiben dürfen und eine sowohl-als-auch Haltung angestrebt wird. Wenn dies gelingt, bieten Unterschiede einen Schatz an Vielfalt und Potenzial. Wenn Du diesen Schatz heben möchtest, ist Kommunikation die Schatzkarte dazu.

Kooperation im Team

Das dritte agile Prinzip beschreibt eine offene wechselseitige Kooperation im Team: Absprachen werden eingehalten, jeder gibt relevante Sachinformationen weiter. Es besteht eine klare Rollen- und Aufgabenteilung mit transparenten Arbeitsabläufen. Neue Teammitglieder werden integriert ohne die bestehende Ordnung zu irritieren. Es herrscht ein Klima der gegenseitigen Unterstützung und der Bereitschaft zur gemeinsamen Weiterentwicklung. Auf dieser Basis kann ein umfassendes Gemeinschaftsgefühl entstehen. Du kannst die Kooperationsfähigkeit in Deinem Team mit einer wertschätzenden Feedback-Kultur fördern.

Diversität im Team

Das Prinzip der Diversität umfasst die Persönlichkeiten, Kompetenzen, Erfahrungen, Wissen und kulturelle Werte. All’ diese Unterschiede sind eine Bereicherung für ein Team. Wenn Du die Vorteile dieser Unterschiede nutzen möchtest, solltest den Dialog darüber fördern. Das erfordert zwar Zeit und Ressourcen. Dennoch lohnt sich der Aufwand. Dann bestehen die besten Voraussetzungen, damit vorhandene Potenziale und Kreativität ihre positive Wirkung entfalten. 

Offenheit für Veränderung

Mit dem Prinzip der Offenheit für Veränderung ist die Bereitschaft gemeint, Überzeugungen, Werte und Haltung zu hinterfragen und einer kontinuierlichen Prüfung zu unterziehen. Es geht darum, neuen Erfahrungen und Informationen offen gegenüber zu treten. Dafür sollte jeder Einzelne die Bereitschaft zum Lernen haben. Selbstorganisation erfordert  kontinuierliche Anpassung und Verbesserung. 

Dabei besteht die wahrscheinlich grösste Herausforderung darin, eine optimale Balance zwischen Neuem und Bewährten zu finden. Das Bewährte bietet Sicherheit, Stabilität und Kontinuität. Demgegenüber steht das Neue mit der damit verbundenen Unsicherheit. Daraus können Ambivalenzen entstehen. Durch einen offenen Dialog im Team kannst Du auch bei diesem Prinzip eine gute Balance finden, die Euer gemeinschaftliches Ziel bestmöglich unterstützt.

Feedback- und Fehlerkultur

Beim sechsten Prinzip geht es um die Feedback- und Fehlerkultur. Fehler, Unstimmigkeiten und Störungen werden in einem selbstorganisierten Team als etwas völlig Normales angesehen. Sie liefern wertvolle Hinweise für Bedürfnisse der Teammitglieder. Deshalb hast Du mit diesem Prinzip ein mächtiges Instrument, um die Zusammenarbeit in Deinem Team zu verbessern und kontinuierlich anzupassen. 

Bei der Feedback- und Fehlerkultur spielt die psychologische Sicherheit eine wesentliche Rolle. Einfach ausgedrückt bedeutet es, dass jeder im Team sagt, was er denkt und fühlt ohne dabei negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Je höher das Mass an psychologischer Sicherheit in einem Team, desto besser gelingt Lernen. Desto grösser ist der Teamerfolg.

Team-Werte

Das letzte Prinzip einer selbstorganisierten Zusammenarbeit sind die Team-Werte. Sie beschreiben bewusste oder unbewusste Vorstellungen über Erstrebenswertes oder zu Vermeidendes. Sie sind immer persönlich. Jeder hat individuelle Vorstellungen über die Wichtigkeit und die Bedeutung der gelebten Werte. Diese Unterschiede dürfen bleiben. Vielleicht fragst Du Dich nun, wie Du damit umgehen kannst. Ein guter Beginn ist beispielsweise, die Werte auf ihre Auswirkungen hin zu untersuchen. Unterstützen diese das angestrebte Ziel? 

Manche Werte werden nicht explizit thematisiert. Manchmal sind sie einem Team gar nicht bewusst. Diese stellt insbesondere neue Teammitglieder vor Herausforderungen. Sie müssen einen guten Umgang mit etwas finden, was sie nicht sehen und greifen können. Implizite Werte werden durch eine ehrliche und offene Feedback- und Kommunikationskultur offensichtlich. Sind sie erst einmal transparent, kann das Team gemeinsam überprüfen, ob diese Werte der Zielerreichung dienlich sind.

Das gemeinschaftliche Aushandeln der Team-Werte bringt viele Vorteile mit sich: Sie bieten Orientierung und Sicherheit. Vertrauen und Motivation kann entstehen. Gemeinschaftliche Werte verbinden die Teammitglieder miteinander und ermöglichen die Abgrenzung zu anderen Team. Somit kann ein schönes Gemeinschaftgefühl wachsen.  

Fazit – Agile Prinzipien sind nicht verhandelbar

Agile Prinzipien sind die Leuchttürme eines selbstorganisierten Teams. Dennoch beschränken sich viele Team auf die Umsetzung von agilen Methoden und Praktiken. Häufig ist Orientierungslosigkeit die Folge. Es ist nicht klar, wofür und warum diese Technik eingesetzt werden. Die selbstorganisierte Zusammenarbeit gerät ins Trudeln. Sie droht zu scheitern. Und die Beteiligten fragen sich, warum.

Du solltest Dich also in Deinem Team keineswegs nur auf den Einsatz agiler Methoden beschränken. Darüber hinaus solltest Du das agile Arbeiten mit Prinzipien gestalten und überlegen, welche Werte in ein agiles Mindset einfliessen sollten. Hast Du diese drei Aspekte im Blick, bist Du für die Reise zur Selbstorganisation gut gerüstet.


Dafür wünsche ich Dir gutes Gelingen.

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